Diabetes Mellitus und Essstörungen.

Interdisziplinäre Behandlung dieser Komorbiditäten

Art.-Nr.:  701312
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Produktbeschreibung

Tanja Legenbauer, Andrea Benecke
Diabetes Mellitus und Essstörungen.
2020. 258 Seiten, 60 Abbildungen, gebunden

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Wie ist der Zusammenhang zwischen Diabetes mellitus und Essstörungen? Wie lassen sich diese Erkenntnisse praktisch in die Beratung und Behandlung von Diabetespatienten einbeziehen?

9,8% der deutschen Bevölkerung leiden unter der Krankheit Diabetes. Der Großteil der Betroffenen ist dem sog. Typ 2 Diabetes zuzuordnen: waren im Jahr 2015 nur 0,28% der Menschen in Deutschland von einem Diabetes Typ 1 betroffen, lag die Zahl der Diabetes Typ 2 Erkrankten bei 9,5%. Im Vergleich zum Jahr 2009 stieg damit die Prävalenz des Typ 2 Diabetes weiter an, während es scheinbar zu einem leichten Rückgang in der Neuerkrankungsrate für den Typ 1 Diabetes kam.

Die Behandlung des Typ 1 Diabetes erfolgt über die exogene Zufuhr von Insulin, beim Typ 2 Diabetes gibt es eine Vielzahl von oralen Medikamenten, die nach dem Scheitern einer Lebensstiländerung eingesetzt werden können. Normalisiert sich der Blutzucker unter diesen oralen Medikamenten ebenfalls nicht, bleibt hier als letzte Therapiemöglichkeit ebenfalls die Gabe von Insulin. Eine aktuelle Metaanalyse zeigt, dass Essstörungen mit 2,8% unter Typ 1 Diabetespatienten deutlich gehäuft im Vergleich mit gesunden Peers auftreten und meist nachweislich mit einer schlechteren Blutzuckereinstellung einhergehen. Sie erleiden früher und mit deutlich größerer Wahrscheinlichkeit Folgeerkrankungen, gerade weil es ihnen durch die psychische Erkrankung nicht gelingt, die Nahrungsaufnahme mit den diabetesspezifischen Therapievorgaben in Einklang zu bringen. Selbst subklinische Essstörungen haben nachweislich eine deutlich erhöhte Rate von Folgeerkrankungen. Es ist daher elementar, die Patienten zu identifizieren und ihnen ein abgestimmtes Therapiekonzept anzubieten, das die Behandlung des gestörten Essverhaltens und des Diabetes einbezieht.

Bei insulinspritzenden essgestörten Diabetespatientien kommt ein weiteres problematisches Verhalten dazu: das Insulinpurging. Dabei wird das Insulin zur Gewichtsreduktion genutzt, was oft unentdeckt bleibt, aber zu massiven Folgeerkrankungen innerhalb kurzer Zeitspannen führt. Es ist daher für Diabetologen, Diabetesberater und Diabetesassistenten wichtig, Symptome, Verlauf und Behandlung von Essstörungen zu kennen, wie es umgekehrt für die Behandlung der psychischen Erkrankung wichtig ist, Ursachen, Symptome und Behandlung des Diabetes zu kennen. Idealerweise sollten die Fachgruppen gut und intensiv zusammenarbeiten. Dieses Buch soll dazu beitragen, eine interdisziplinäre Behandlung von Diabetes mellitus zu fördern. Es soll für alle beteiligten Experten auch einen Beitrag dazu leisten, Grenzen in den eigenen Kompetenzen zu erkennen und die Zusammenarbeit mit den jeweils anderen Experten zu suchen.